Salomonisches Urteil

Entscheidungen treffen – mit Gelassenheit, Mut und Weisheit!


Fliegen bedeutet, jeden Tag unzählige Entscheidungen zu treffen. Im Cockpit muss man über operationelle und technische Fragen entscheiden und dabei viele Faktoren berücksichtigen und einschätzen, etwa das Wetter oder den technischen Zustand der Maschine. Mal sind Entscheidungen langfristig, mal sehr kurzfristig. Manchmal haben die Piloten ausreichend Zeit zum Nachdenken, oft stehen sie unter extremem Zeitdruck. In vielen Fällen kann man auf Erfahrungen zurückgreifen, gelegentlich ist man mit überraschenden Situationen konfrontiert und muss dennoch die richtige Entscheidung treffen. Dafür trainieren Piloten Methoden, die darauf abzielen, Fakten zu sammeln, sie zu analysieren und die Alternativen auf Risiken und Nutzen abzuwägen, um dann eine Entscheidung zu fällen, sie umzusetzen und schließlich kritisch zu überwachen. Ein sehr rationaler Ansatz, für dessen Gelingen es zwei Voraussetzungen gibt: Gutes Training und das Sammeln von Tatsachen.

Ein großer biblischer Experte im Treffen von Entscheidungen mit einem ganz anderen Lösungsansatz dagegen ist König Salomo, berühmt sein Urteil: Zwei Frauen kommen im Streit um ein Neugeborenes zu ihm, dem Richter. Beide behaupten, die Mutter zu sein, aber keine kann es beweisen. Sein Urteil scheint auf den ersten Blick grausam: „Teilt das lebendige Kind in zwei Teile und gebt dieser die Hälfte und jener die Hälfte“. Eine der Frauen wehrt sich gegen dieses Urteil und bittet, das Kind nicht zu töten, sondern es der anderen Frau zu überlassen – und zeigt damit die wahre mütterliche Liebe. Salomos Urteil wird bekannt und die Menschen erkennen, dass er die Weisheit Gottes in sich trägt. Die beiden Voraussetzungen der salomonischen Entscheidungsfindung sind also Weisheit und Vertrauen.

Jede gute Entscheidung erfordert von Beginn an Gelassenheit. Gelassenheit, um sich von der Situation nicht paralysieren zu lassen. Gelassenheit, sie stattdessen ausführlich zu analysieren und die Optionen abzuwägen. Danach braucht es Mut. Mut, die getroffene Entscheidung auch umzusetzen und zu ihr zu stehen. Aber auch Mut dazu, eine falsche Entscheidung zu erkennen und zu berichtigen. Möglicherweise gibt es Situationen, in denen man keine Entscheidung treffen kann oder man sich überfordert fühlen mag. Dann darf man sich getrost an Gott wenden und ihn vertrauensvoll um Weisheit bitten. So wie Salomo es getan hat, zu Beginn seiner Amtszeit, mit der Bitte um ein Herz, das richten möchte und verstehen, was gut und böse ist.

Als Anstoß und Begleitung zur richtigen Entscheidung hilft vielleicht das Gelassenheitsgebet, das dem amerikanischen Theologen Reinhold Niebuhr zugeschrieben wird und vor oder während des zweiten Weltkrieges verfasst wurde:

„Herr, gib mir die Gelassenheit, Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann;

den Mut, Dinge zu ändern, die ich ändern kann;

und die Weisheit, das eine vom Anderen zu unterscheiden. Amen.“